Von Birgit Ulbricht und Sven Görner

In der Röderner Heide werden 17 Windräder geplant. Drei weitere auf Radeburger Flur. Geht das am Vogelschutzgebiet?

Mit dem beschlossenen Ausstieg aus dem Atomstrom wächst der Bedarf an erneuerbaren Energien. Die regionalen Planungsverbände in Sachsen sind derzeit dabei, neue Standorte für Windkraftanlagen auszuweisen. Anders als die bisherigen sollen diese künftig auch in Wäldern errichtet werden können. Der Haken dabei ist, dass die Windräder dafür bis 190 Meter hoch werden sollen.

Der Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge hat seine Fläche der Verbandsversammlung der Landkreise vorgeschlagen. Ende März sollen alle Gebiete beschlossen werden. Im Mai, Juni würden dann die öffentlichen Anhörungen laufen, wo fachliche Einwände vorgebracht werden können.

Auf Radeburger Flur soll östlich der ehemaligen KIM-Güllebecken ein Standort für zwei bis drei Anlagen ausgewiesen werden. Auf einer jetzt als Wiese genutzten Fläche der früheren Hutung. Dort gibt es viele schmale und kleine Flurstücken die mehrere Eigentümer haben. Einer davon ist die Agrargenossenschaft Radeburg. Wie deren Chef Rüdiger Stannek sagt, habe bei ihm schon ein möglicher Investor nachgefragt. „Für uns ist das aber keine Option“, sagt der Genossenschaftschef. „Nicht, weil wir gegen Windkraft sind oder kein Geld verdienen wollen, sondern weil die Anlagen dort einfach nicht hinpassen. Sie verschandeln den ganzen Blick.“

Als sachliches Argument dürfte das allerdings kaum taugen. 750 Meter vom Ort weg, 500Meter weit entfernt von Einzelwohnbebauungen wie der alten Revierförsterei – das sind zwei der festen Größen, die es gibt. Dieser Punkt ruft allerdings auch den Widerspruch von Radeburgs Bürgermeister Dieter Jesse (parteilos) und dem Stadtrat hervor. „Diese Abstandsreglung ist die gleiche wie bei den bisherigen, wesentlich kleineren Anlagen. Da muss also genau geprüft werden, ob die Schlagschatten der Rotoren nicht die Stadt erreichen.“ Um eine Vorstellung von der Höhe der möglichen Windräder zu haben: Neben ihnen könnte man vier Mal den Radeburger Kirchturm übereinander stellen.

Unmittelbar neben der Gemarkungsgrenze – auf Röderner und Tauschaer Flur – soll zudem ein Windpark mit 17 Windrädern entstehen. Dafür muss voraussichtlich Wald in Größenordnung gefällt werden. Zwar werden sich die Rotoren über den Baumwipfeln drehen, aber für die Kräne, die die Anlagen aufstellen, für Baustraßen und Leitungstrassen wird Land gebraucht. Zwei Landeigner haben den Wunsch geäußert, so Tauschas Bürgermeister Christian Creutz (parteilos) am Dienstagabend im Gemeinderat, aus finanziellen Gründen solche Windtürme aufstellen zu lassen.

Der größte Waldbesitzer ist dabei Lutz Krause aus Schönfeld, der die Wälder in den 1990er Jahren von der Treuhand gekauft hatte. Zu seinen Plänen will er sich allerdings nicht äußern.

Betroffen von den möglichen Windrädern sind nicht nur die Radeburger, sondern vor allem auch die Zschornaer und die Dobraer. Aber auch das Naherholungszentrum Brettmühlenteich und das europäische Vogelschutzgebiet Zschornaer Großteich. Würden die riesigen Windräder nicht genau in der Einflugschneise der Zugvögel stehen?

„Nein“, sagt Heidemarie Russig, Leiterin der Verbandsgeschäftsstelle des Planungsverbandes. Allerdings sei zu prüfen, ob die Flugrouten zwischen den Zschornaer und Moritzburger Teichgebieten betroffen sind. Jesse vermutet, dass dem so ist. „Die Vögel fliegen direkt über mein Haus. Das ist genau die Richtung.“ Russig könne sich durchaus vorstellen, dass der Windpark verkleinert werden muss. Henry Thielsch-Sachse, der in der alten Försterei wohnt, will eine Klage gegen das Vorhaben prüfen.

Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung
Freitag, 2. März 2012