Viele Bürger werden sich fragen, wieso trifft es gerade uns, wo der Wald doch unsere Geschäftsgrundlage darstellt und ein Ersatz dafür nicht in Sicht ist.
Im Landesentwicklungsplan ist festgelegt, wie die Energiewende umgesetzt wird und dabei muss jeder Landkreis seinen Beitrag leisten, ausgenommen solche Regionen wie das Elbtal oder das Kerngebiet des Elbsandsteingebirges.

Für unseren Landkreis beplant dies der Planungsverband mit Frau Dr. Russig an der Spitze und u.a. auch unser Landrat Arndt Steinbach.
Voraussetzung für ein derartiges Vorgehen in der Planung, war der Fall der bisherigen Übereinkunft aller öffentlichen Stellen, dass Wald ein Ausschlussgrund für die Errichtung von Windkraftanlagen sei. Ausgangspunkt für diese Entscheidung ist das Ministerium für Landwirtschaft und Forsten mit Minister Frank Kupfer an der Spitze. Danach suchte man nach Wäldern mit sogenannter Vorbelastung und fand unsere Rödernsche Heide mit ihren Hühnermastanlagen an der Autobahn. Mit diesen beiden Kriterien wähnte man sich im Planungsrat bereits am Ende der Suche.
Der Bürger reibt sich an der Stelle verwundert die Augen. Die Belastungen denen er sich ausgesetzt sieht, sollen logischerweise dazu führen, dass viele neue Belastungen dazukommen dürfen? Durch die Lage der Ställe und ihre gute Integration in die Wald – Randlagen gelang damals bei Ihrer Entstehung noch eine gewisse Akzeptanz, wenn auch die gesamte Maßnahme in der Bevölkerung kritisch gewertet wurde.

Die am äußersten Westrand, direkt an der Autobahn gelegenen Stallanlagen bilden jetzt den Vorwand, die Heide in ihrer gesamten Tiefe zu zerstören. Eine merkwürdige Logik, welche auf einem Verständnisfehler der Verantwortlichen beruht. Der Besuch der Veranstaltung des Waldbesitzerverbandes am 09.03.2012, “Windkraft über Wald“ brachte hier Licht ins Dunkel. Eine Gruppe hochkarätiger Fachleute erklärte sich in Vorträgen auch zu diesem Problem.
An verschiedenen Beispielen aus Rheinland –Pfalz wurde dargestellt, wie das Thema Vorbelastung einzuordnen ist. In den Darstellungen bezog man sich z.B. auf ehemalige Liegenschaften der US – Streitkräfte – Truppenübungsplätze mit demontierten Militäranlagen, wo bereits schon teilweise betonierte Freiflächen im Wald vorhanden waren.
Ebenfalls wurden Projekte vorgestellt in denen darauf verzichtet wurde, mehrfach vom Sturm zerstörte Flächen erneut aufzuforsten, da man an der Sinnigkeit einer x-ten Wiederaufforstung zweifelte. Angesprochen wurden auch alte Industrieanlagen.
An keiner Stelle war die Rede davon, bereits bestehende Gewerbeflächen am Wald als Vorbelastung zu bezeichnen und zum Anlass zu nehmen, sich jetzt an dem angrenzenden Wald massiv zu vergreifen. Hier legt ein grundsätzliches Missverständnis bei den Verantwortlichen vor.
Das Vorbild aus Rheinland –Pfalz macht natürlich nachdenklich. Wir haben in Sachsen ebenfalls alte Militärliegenschaften der ehemaligen Streitkräfte der UdSSR von mehreren tausend Hektar. Große Teile davon sind nicht munitionsbelastet. Im Energie – Klimaplan Sachsen vom 28.09.2011 Ziff.3.2.2. ist nachzulesen, dass zur Windenergiegewinnung sowohl Waldflächen als auch großräumige Schutzgebietsausweisungen herangezogen werden sollen.

Ist dieses Modell für Sachsen denkbar? Was sagt der NABU dazu?
In Sachsen gibt es außerdem riesige Gebiete die durch Tagebau vorbelastet sind und deren Rekultivierung noch Jahrzehnte andauern wird. Ist diese Option hinreichend geprüft und abgewogen worden?
Sollte das Land Sachsen nicht lieber die bisherige Vorgehensweise, die Windkraftanlagen gleichmäßig auf die Regionalplanungsgebiete aufzuteilen, überdenken und stattdessen eine zentral geführte Planung für Sachsen anstreben? Das schließt die Einbeziehung der regionalen Planungsverbände grundsätzlich nicht aus. Das Thema Energie und Klimaplan ist viel zu sensibel als das man in der Planung rasterförmig herangehen kann.

Was kann ich tun?