Liebes Gemeinderatsmitglied / Ortschaftsratsmitglied,

heute möchte ich mich an Sie, in Ihrer Funktion als meinen gewählten Gemeindevertreter wenden.
Interessiert habe ich zur Kenntnis genommen, dass unser Gemeinderat mit zwei Gegenstimmen die Errichtung eines Windparks in der Röderner Heide auf den Weg gebracht hat.. Eine Entscheidung mit Folgen für die Natur und viele Menschen, die dort vor Ort und in unmittelbarer Nähe wohnen. Bedanken möchte ich mich ausdrücklich bei den beiden Gemeinderäten, welche dagegen stimmten, für Ihre Weitsicht. Sie sind deshalb nicht Adressaten dieses Schreibens.

Ich weiß, dass Sie und ich nicht gemeinsam zur Schule gegangen sind, keine gemeinsame Jugendzeit verbracht haben und mein Gehöft nicht im Dorfkern von Rödern liegt. Deshalb ist es nachvollziehbar, wenn Ihnen das Schicksal meiner Familie nicht so unbedingte Herzensangelegenheit ist. Frau Fehrmann verpackte diesen Fakt mir gegenüber kurz und knackig in den Satz: Gemeinwohl geht vor Einzelwohl !! – zack. Nun sind aber die im Grundgesetz verankerten Grundrechte der Bürger nicht durch Gemeinderatsbeschluß oder durch eine kommunale Planungskommission außer Kraft zu setzen. Wir werden das gerichtlich prüfen lassen.

Ein Argument für die Windkraft war, dass das besagte Unternehmen, welches den Park betreiben wird, seinen Sitz in der Gemeinde Ebersbach nehmen wird und die Steuereinnahmen der Gemeindekasse zugute kommen.
Die Steuergesetzgebung billigt jedem Unternehmen bei Wechsel seines Standortes zu, die Steuerabgaben der letzten zwei Jahre von der alten Gemeinde zurückzufordern und anderweitig zu versteuern. Was glauben Sie wie lange werden die Firmenschilder in Ebersbach hängen und was wird in der Gemeindekasse zurückbleiben ?

Sicherlich haben Sie sich bei Ihrem Votum für den Windpark davon leiten lassen, dass die Windräder weit weg, für das Dorf unsichtbar und unhörbar hinterm Knochenberg stehen werden. Das ist leider falsch !!
Der Kulissenschutz den das Dorf durch geologische Höhenunterschiede und Baumbestand geniessen kann, beläuft sich auf ca. 45 – 65 m. Bei einer Anlagenhöhe von 170m verbleiben immer noch gut 100m sichtbares Windrad und zwar der hässlichere Teil – nämlich der welcher sich bewegt. Und nachts leuchtet er sogar!
Um einen Eindruck zu gewinnen, wie eine einzelne Anlage auf diese Entfernung in Ihrem Gesichtsfeld wirkt, machen sie folgendes:
Sie nehmen eine Bierflasche, drehen sie so, dass sie auf den Flaschenboden schauen und halten sie mit ausgestrecktem Arm auf Höhe Nasenspitze. Jetzt stellen Sie sich vor, dass dort ein Rotor läuft. Das ganze wird sich am Osthorizont des Dorfes 14 x abspielen.

Eine schöne Überraschung werden Sie erleben, wenn Sie ein Stück Land oder der Oma ihr klein Häuschen verkaufen wollen, welches Sie geerbt haben. Oder Sie möchten Ihr Haus beleihen. Dann werden Sie feststellen, dass der Wert Ihrer Immobilien sich gerade im freien Fall befindet. Wer möchte schon in Orte mit Windrädern vor der Nase ziehen. Viele, welche in der Umgebung gebaut haben um im Grünen zu wohnen und in Dresden zu arbeiten, fühlen sich betrogen.

Die Rödernsche Heide ist Erholungsgebiet für zahllose Menschen, mit angrenzenden Campingplätzen und anderen Naherholungsflächen. Um die Vorhaben umzusetzen ist es nötig, große Waldflächen zu roden, um die Bauteile vor Ort zu bringen, aufzustellen und zu unterhalten. Auch nach Fertigstellung wird der Wald als Erholungswald unbrauchbar sein,
da der Lärm ,der dauernde Flugschatten der Rotoren, etc. die Leute fernhalten werden.
Sie tragen mit Ihrem Votum dafür die Verantwortung.

Auf jede Kilowattstunde Windenergie legen wir als Steuerzahler 0,22€ als Subvention drauf.
Eine prima Sache für eine Technik die sich zu marktüblichen Bedingungen nicht rechnet. Für Investoren ( in diesem Fall sind es Fonds ) eine traumhafte Rendite. Jede Windkraftanlage ist eine große Sparbüchse. Oben werfen wir unsere Steuergroschen ein und unten holen die Fondmanager den Cash ab.

Mit den Folgen vor Ort müssen wir dann über Generationen klarkommen. Übrigens wohnen die Initiatoren und auch die Betreiber nie in der Nähe solcher Anlagen.
( siehe Bürgermeisterin Fehrmann )

Es wird Ihnen sicher im Gedächnis geblieben sein, dass für die Betriebsabstände von jeder WK – Anlage zur Einzelwohnbebauung 500m vorgesehen sind. Das ist eine Zahl die Spezialisten nur Kopfschütteln abnötigt. Zum Vergleich : Die Weltgesundheitsorganisation fordert einen generellen Abstand zu menschlichen Behausungen von 2km, Frankreich ebenfalls, die USA sogar 2 Meilen, bei unseren Nachbarn in Brandenburg sind es wenigstens noch 1km. Das sind Abstände, welche verhindern sollen, dass Menschen krank werden.
Möglich sind diese kurzen Abstände nur, weil sich Sachsen auf ein altes Emmissionsschutzgesetz bezieht, welches von der technischen Entwicklung längst überholt ist und in diesem Wissen andere Bundesländer schon lange davon abgerückt sind.
Aber anders sieht man sich nicht in der Lage, solche Vorhaben in einer dicht besiedelten Region durchzudrücken. Wir werden menschenwürdige Abstände notfalls vor dem Europäischen Gerichtshof durchsetzen.

Leider haben Sie es nicht für nötig gehalten die Bürger, welche Sie vertreten, vorab oder überhaupt über diese Dinge zu informieren und mglw. zu diskutieren, bevor Sie derart schwerwiegende Entscheidungen treffen. Dieser Brief wäre Ihr Job gewesen nicht meiner!

Die Energiewende in ihrem Lauf, hält weder Ochs noch Esel ….- kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Der Dichter des Originals irrte sich auch.

Mit freundlichen Grüßen H. Thielsch – Sachse