Gesicht zeigen! Zeichen setzen!

September 2016
„Wir sind es leid, an der Nase herumgeführt zu werden!“ Gut 60 Bürger machten auf der Wind-Infoveranstaltung des Regionalen Planungsverbandes (RPV) am 30. August in Großenhain ihrem Unmut lautstark Luft. Sie verließen demonstrativ die Sitzung sofort nach deren Eröffnung. Mit der abgestimmten Aktion protestierten Bürgerinitiativen gegen die Arroganz der Politik und die Pläne zur Ausweisung von Windvorranggebieten in der Rödernschen Heide (Windpotenzialfläche Nummer acht) und der Großenhainer Pflege. Gesicht zeigen! Zeichen setzen! Darum ging es. Ob die anwesenden Landespolitiker, leitenden Ministerialbeamten und Staatsdiener daraus die richtigen Schlüsse ziehen, weiß allein der Himmel.
Jedenfalls lief diese vierte Info-Veranstaltung nach dem Protest genau so ab wie die anderen drei zuvor. Der RPV spulte Dokumentionen zu seiner Arbeit, deren Methodik und seinem Auftrag ab: Er muss politische Vorgaben erfüllen und der Windenergie substanziell Raum verschaffen. Die Raumplaner sind dazu vergattert so lange ihr Auswahlverfahren, zu manipulieren bis ausreichend genehmigungsfähige Flächen zur Errichtung von Windparks zur Verfügung stehen. Sie können es sich dabei nicht leisten, viel Rücksicht auf das Schutzbedürfnis der Menschen (Stichwort 10H; Abstand zur Wohnbebauung=10xWindradhöhe) oder der Natur und Landschaften zu nehmen. Würden sie das tun, könnten sie nicht die Vorgaben aus dem Innen- und dem Wirtschaftsministerium erfüllen.
Die Bürger durften im Anschluss an die „Theorie“ Fragen stellen. Sie machten reichlich Gebrauch davon. Jedoch, viel schlauer als zuvor waren sie danach auch nicht. Nur frustrierter oder erregter – je nach Temperament. Denn die Herrschaften auf dem Podium antworteten entweder ausweichend, macht-besoffen, völlig realitätsfremd, scheinheilig oder (wissentlich oder unwissentlich?) falsch. Im Verlauf der Fragestunde wurde klar: Für die Nöte und Ängste der von Windkraft negativ betroffenen Bürger interessiert man sich in der Landespolitik und den zuständigen Ministerien kaum. Es geht allein um die Planerfüllung!
Quintessenz aus Sicht der Betroffenen: Gut, dass der RPV sich öffentlich in den Veranstaltungen erklärt und informiert hat. Gut, dass er auf die Nachfragen der Bürger reagiert und eine weitere Info-Veranstaltung zum Thema Gesundheitsgefahren & Windkraftnutzung vorbereiten und organisieren will. Übel, übel, übel wie die Landespolitik und die Ministerien die Menschen im Ländlichen Raum verschaukeln und „im Regen“ stehen lassen.